Hebräer

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Kapitel 1

1 Nachdem vorzeiten Gott manchmal und auf mancherlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten,
2 hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn. Ihn hat Gott gesetzt zum Erben über alles; durch ihn hat er auch die Welt gemacht.
3 Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von unsern Sünden und hat sich gesetzt zu der Rechten der Majestät in der Höhe
4 und ist so viel höher geworden als die Engel, so viel erhabener der Name ist, den er vor ihnen ererbt hat.
5 Denn zu welchem Engel hat Gott jemals gesagt: «Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt»? und abermals: «Ich werde sein Vater sein, und er wird mein Sohn sein»?
6 Und wiederum, da er den Erstgebornen in die Welt einführt, spricht er: «Und es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten.»
7 Von den Engeln heißt es: «Er macht seine Engel zu Winden und seine Diener zu Feuerflammen»,
8 aber von dem Sohn: «Gott, dein Thron währt von Ewigkeit zu Ewigkeit», und: «Das Zepter der Gerechtigkeit ist seines Reiches Zepter.
9 Du hast geliebt die Gerechtigkeit und gehaßt die Ungerechtigkeit; darum hat dich, o Gott, gesalbt dein Gott mit dem Öl der Freude wie keinen andern neben dir.»
10 Und: «Du, Herr, hast im Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk.
11 Sie werden vergehen, du aber bleibst. Sie werden alle veralten wie ein Kleid;
12 und wie einen Mantel wirst du sie zusammenrollen, wie ein Gewand werden sie gewechselt werden. Du aber bist derselbe, und deine Jahre werden nicht aufhören.»
13 Zu welchem Engel aber hat er jemals gesagt: «Setze dich zu meiner Rechten, bis ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße»?
14 Sind sie nicht allzumal dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil ererben sollen?




Kapitel 2

1 Darum sollen wir desto mehr achthaben auf das Wort, das wir hören, damit wir nicht am Ziel vorbeitreiben.
2 Denn wenn das Wort fest geworden ist, das durch die Engel geredet ist, und eine jegliche Übertretung und jeder Ungehorsam den rechten Lohn empfangen hat,
3 wie wollen wir entrinnen, wenn wir ein solches Heil nicht achten, welches zuerst gepredigt ist durch den Herrn und bei uns bekräftigt durch die, die es gehört haben?
4 Und Gott hat dazu Zeugnis gegeben mit Zeichen, Wundern und mancherlei mächtigen Taten und mit Austeilung des heiligen Geistes nach seinem Willen. Erniedrigung und Erhöhung Christi
5 Denn nicht den Engeln hat er untertan gemacht die zukünftige Welt, von der wir reden.
6 Es bezeugt aber einer an einer Stelle der Schrift und spricht: «Was ist der Mensch, daß du sein gedenkest, und des Menschen Sohn, daß du auf ihn achtest?
7 Du hast ihn eine kleine Zeit niedriger sein lassen als die Engel; mit Preis und Ehre hast du ihn gekrönt und hast ihn gesetzt über die Werke deiner Hände,
8 alles hast du unter seine Füße getan.» Wenn er ihm alles unter die Füße getan hat, so hat er nichts ausgenommen, was ihm nicht untertan wäre. Jetzt aber sehen wir noch nicht, daß ihm alles untertan ist.
9 Den aber, der «eine kleine Zeit niedriger gewesen ist als die Engel», Jesus, sehen wir durch sein Todesleiden «gekrönt mit Preis und Ehre», auf daß er aus Gottes Gnade für alle den Tod schmeckte.
10 Denn so ist Gott, um deswillen alle Dinge sind und durch den sie alle sind, daß er den, der da viel Kinder zur Herrlichkeit geführt hat, als den Herzog ihrer Seligkeit, durch Leiden vollendete.
11 Denn weil sie alle von einem kommen, beide, der da heiligt und die da geheiligt werden, darum schämt er sich auch nicht, sie Brüder zu heißen,
12 und spricht: «Ich will verkündigen deinen Namen meinen Brüdern und mitten in der Gemeinde dir lobsingen.»
13 Und abermals: «Ich will mein Vertrauen auf ihn setzen»; und abermals : «Siehe da, ich und die Kinder, welche mir Gott gegeben hat.»
14 Weil nun die Kinder Fleisch und Blut haben, ist auch er der gleichen Art teilhaftig geworden, damit er durch seinen Tod die Macht nähme dem, der des Todes Gewalt hatte, das ist dem Teufel,
15 und erlöste die, so durch Furcht vor dem Tode im ganzen Leben Knechte sein mußten.
16 Denn er nimmt sich ja nicht der Engel an, sondern der Kinder Abrahams nimmt er sich an.
17 Daher mußte er in allen Dingen seinen Brüdern gleich werden, auf daß er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester vor Gott, zu sühnen die Sünden des Volks.
18 Denn worin er selber gelitten hat und versucht ist, kann er denen helfen, die versucht werden.




Kapitel 3

1 Darum, ihr heiligen Brüder, die ihr mit berufen seid durch die himmlische Berufung, schauet auf den Apostel und Hohenpriester, den wir bekennen, Jesus,
2 der da treu ist dem, der ihn gemacht hat, wie auch Mose in Gottes ganzem Hause.
3 Er aber ist doch größerer Ehre wert als Mose, weil größere Ehre als das Haus der hat, der es erbaute.
4 Denn ein jedes Haus wird von jemand erbaut; Gott aber ist's, der alles erbaut hat.
5 Und Mose zwar war treu in Gottes ganzem Hause als Knecht, um zu bezeugen, was dereinst gesagt werden sollte.
6 Christus aber war treu als Sohn über sein Haus. Dessen Haus sind wir, wenn wir das Vertrauen und den Ruhm der Hoffnung bis ans Ende fest behalten. Verheißung der Gottesruhe
7 Darum, wie der heilige Geist spricht: «Heute, wenn ihr hören werdet seine Stimme,
8 so verstocket eure Herzen nicht, wie geschah bei der Verbitterung am Tage der Versuchung in der Wüste,
9 da mich eure Väter versuchten und prüften, und hatten doch gesehen meine Werke vierzig Jahre lang.
10 Darum ward ich entrüstet über dies Geschlecht und sprach: Immerdar irren sie mit dem Herzen! Aber sie verstanden meine Wege nicht,
11 so daß ich schwur in meinem Zorn, sie sollten zu meiner Ruhe nicht kommen.»
12 Sehet zu, liebe Brüder, daß nicht jemand unter euch ein arges, ungläubiges Herz habe, das da abfalle von dem lebendigen Gott,
13 sondern ermahnet euch selbst alle Tage, solange es «heute» heißt, daß nicht jemand unter euch verstockt werde durch den Betrug der Sünde.
14 Denn wir sind Christi teilhaftig geworden, wenn anders wir die Zuversicht vom Anfang bis ans Ende fest behalten.
15 Wenn es heißt: «Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstocket eure Herzen nicht, wie bei der Verbitterung geschah», -
16 wer hat sie denn gehört und eine Verbitterung angerichtet? Waren's nicht alle, die von Ägypten auszogen mit Mose?
17 Und über wen ward Gott entrüstet vierzig Jahre lang? War's nicht über die, die da sündigten, deren Leiber in der Wüste verfielen?
18 Welchen schwur er, daß sie nicht zu seiner Ruhe kommen sollten, wenn nicht den Ungehorsamen?
19 Und wir sehen, daß sie nicht haben hineinkommen können um ihres Unglaubens willen.




Kapitel 4

1 So lasset uns nun mit Furcht darauf achten, daß euer keiner dahintenbleibe, solange die Verheißung noch besteht, daß wir einkommen zu seiner Ruhe.
2 Denn es ist auch uns verkündigt gleichwie jenen; aber das Wort der Predigt half jenen nichts, da die nicht glaubten, die es hörten.
3 Denn wir, die wir glauben, gehen ein in die Ruhe, wie er spricht: «Ich schwur in meinem Zorn, sie sollten zu meiner Ruhe nicht kommen.» Nun waren ja die Werke von Anbeginn der Welt fertig,
4 denn so spricht er an einer Stelle der Schrift von dem siebenten Tag: «Und Gott ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken.»
5 Gleichwohl heißt es an dieser Stelle abermals: «Sie sollen nicht kommen zu meiner Ruhe.»
6 Da es nun bestehen bleibt, daß etliche sollen zu Gottes Ruhe kommen, und die, denen es zuerst verkündigt ist, nicht dazu gekommen sind um des Ungehorsams willen,
7 bestimmt er abermals einen Tag, ein «Heute», und sagt durch David nach solcher langen Zeit, wie eben gesagt ist: «Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstocket eure Herzen nicht.»
8 Denn wenn Josua sie hätte zur Ruhe gebracht, würde Gott nicht hernach von einem andern Tage geredet haben.
9 So ist also noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes.
10 Denn wer zu Gottes Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken gleichwie Gott von den seinen.
11 So lasset uns nun Fleiß tun, hineinzukommen zu dieser Ruhe, auf daß nicht jemand zu Fall komme in gleichem Ungehorsam.
12 Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer denn ein zweischneidig Schwert und dringt durch, bis daß es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.
13 Und keine Kreatur ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor Gottes Augen, dem wir Rechenschaft geben müssen.
14 Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasset uns halten an dem Bekenntnis.
15 Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht ist allenthalben gleichwie wir, doch ohne Sünde.
16 Darum lasset uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Thron der Gnade, auf daß wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden auf die Zeit, wenn uns Hilfe not sein wird.




Kapitel 5

1 Denn ein jeglicher Hoherpriester, der aus den Menschen genommen wird, der wird gesetzt für die Menschen zum Dienst vor Gott, auf daß er opfere Gaben und Opfer für die Sünden.
2 Er kann mitfühlen mit denen, die da unwissend sind und irren, weil er auch selber Schwachheit an sich trägt.
3 Darum muß er, wie für das Volk, so auch für sich selbst opfern für die Sünden.
4 Und niemand nimmt sich selbst die hohepriesterliche Würde, sondern er wird berufen von Gott gleichwie Aaron.
5 So hat auch Christus sich nicht selbst die Ehre beigelegt, Hoherpriester zu werden, sondern der hat's getan, der zu ihm gesagt hat (Psalm 2,7): «Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.»
6 Wie er auch an anderer Stelle spricht: «Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.»
7 Und er hat in den Tagen seines Fleisches Gebet und Flehen mit starkem Geschrei und Tränen geopfert dem, der ihm von dem Tode konnte aushelfen; und ist auch erhört, darum daß er Gott in Ehren hielt.
8 So hat er, wiewohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt.
9 Und da er vollendet war, ist er geworden allen, die ihm gehorsam sind, der Urheber ihres ewigen Heils,
10 und ist von Gott genannt ein Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks.
11 Davon hätten wir wohl viel zu reden; aber es ist schwer, weil ihr so harthörig geworden seid.
12 Denn die ihr solltet längst Meister sein, bedürfet wiederum, daß man euch den ersten Anfang der göttlichen Worte lehre und daß man euch Milch gebe und nicht feste Speise.
13 Denn wem man noch Milch geben muß, der ist unerfahren in dem Wort der Gerechtigkeit, denn er ist wie ein kleines Kind.
14 Feste Speise aber gehört den Vollkommenen; sie haben durch steten Gebrauch geübte Sinne und können Gutes und Böses unterscheiden.




Kapitel 6

1 Darum wollen wir jetzt lassen, was im Anfang über Christus zu sagen ist, und uns zum Vollkommenen wenden; wir wollen nicht abermals Grund legen mit der Lehre vom Abtun der toten Werke, vom Glauben an Gott,
2 vom Taufen, vom Händeauflegen, von der Toten Auferstehung und vom ewigen Gericht.
3 Das wollen wir ein ander Mal tun, wenn Gott es zuläßt.
4 Denn es ist unmöglich, die, so einmal erleuchtet sind und geschmeckt haben die himmlische Gabe und teilhaftig geworden sind des heiligen Geistes
5 und geschmeckt haben das gütige Wort Gottes und die Kräfte der zukünftigen Welt
6 und dann doch abgefallen sind, wiederum zu erneuern zur Buße, sie, die für sich selbst den Sohn Gottes abermals kreuzigen und zum Spott machen.
7 Denn die Erde, die den Regen trinkt, der oft über sie kommt, und dann nützliche Frucht trägt denen, die sie bauen, empfängt Segen von Gott.
8 Wenn sie aber Dornen und Disteln trägt, so ist sie nichts nütze und dem Fluch nahe, daß man sie zuletzt abbrennt.
9 Obwohl wir aber so reden, ihr Lieben, so haben wir doch für euch Zuversicht auf ein Besseres, das euch retten kann.
10 Denn Gott ist nicht ungerecht, daß er vergäße eures Werks und der Liebe, die ihr erzeigt habt seinem Namen, da ihr den Heiligen dientet und noch dienet.
11 Wir begehren aber, daß ein jeglicher von euch denselben Eifer beweise, die Hoffnung festzuhalten bis ans Ende,
12 damit ihr nicht träge werdet, sondern Nachfolger derer, die durch Glauben und Geduld ererben die Verheißungen.
13 Denn als Gott dem Abraham die Verheißung gab, schwur er bei sich selbst, da er bei keinem Größeren zu schwören hatte,
14 und sprach: «Wahrlich, ich will dich segnen und mehren.»
15 Und so wartete Abraham in Geduld und erlangte die Verheißung.
16 Die Menschen schwören ja bei einem Größeren, als sie sind; und der Eid dient ihnen zur Bekräftigung und macht aller Widerrede ein Ende.
17 Darum hat Gott, da er wollte den Erben der Verheißung überschwenglich beweisen, daß sein Ratschluß nicht wanke, sich noch mit einem Eid verbürgt.
18 So sollten wir durch zwei Stücke, die nicht wanken – denn es ist unmöglich, daß Gott lügt -, einen starken Trost haben, die wir unsre Zuflucht dazu genommen haben, festzuhalten an der angebotenen Hoffnung.
19 An ihr haben wir einen sichern und festen Anker unsrer Seele, der hineinreicht bis in das Innere hinter dem Vorhang.
20 Dahin ist als Vorläufer für uns eingegangen Jesus, der ein Hoherpriester geworden ist in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.




Kapitel 7

1 Dieser Melchisedek aber war ein König von Salem, ein Priester Gottes, des Allerhöchsten; der ging Abraham entgegen, da er von der Könige Schlacht wiederkam, und segnete ihn;
2 ihm gab Abraham auch den Zehnten aller Güter. Aufs erste wird sein Name verdolmetscht: König der Gerechtigkeit; danach aber heißt er auch: König von Salem, das ist: König des Friedens.
3 Er ist ohne Vater, ohne Mutter, ohne Stammbaum und hat weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens. So gleicht er dem Sohn Gottes und bleibt Priester in Ewigkeit.
4 Schauet aber, wie groß der ist, dem Abraham, der Erzvater, den Zehnten gab von der eroberten Beute!
5 Zwar die Kinder Levi, die das Priestertum empfangen, haben nach dem Gesetz das Recht, den Zehnten zu nehmen vom Volk, das ist von ihren Brüdern, wiewohl diese gleich ihnen von Abraham abstammen.
6 Aber der nicht von ihrem Stamme war, der nahm den Zehnten von Abraham und segnete den, der die Verheißungen hatte.
7 Nun ist's ohn alles Widersprechen so, daß das Geringere von dem Höheren gesegnet wird.
8 Hier nehmen den Zehnten sterbliche Menschen, dort aber einer, dem bezeugt wird, daß er lebe.
9 Und sozusagen ist in Abraham auch Levi, der doch selbst den Zehnten nimmt, mit dem Zehnten belegt worden.
10 Denn er sollte seinem Vater ja erst noch geboren werden, als ihm Melchisedek entgegenging.
11 Wäre nun die Vollendung durch das levitische Priestertum gekommen – denn unter demselben hat das Volk das Gesetz empfangen -, wozu war es dann noch nötig, einen anderen als Priester nach der Ordnung Melchisedeks einzusetzen und nicht nach der Ordnung Aarons?
12 Denn wo das Priestertum verändert wird, da muß auch das Gesetz verändert werden.
13 Denn der, vom dem solches gesagt wird, der ist von einem andern Stamm, aus welchem nie einer am Altar gedient hat.
14 Denn es ist ja offenbar, daß aus Juda unser Herr hervorgegangen ist, zu welchem Stamme Mose nichts geredet hat vom Priestertum.
15 Und das ist noch viel klarer, wenn nach der Weise Melchisedeks ein anderer als Priester aufkommt,
16 welcher nicht dazu gemacht ist nach dem Gesetz der leiblichen Herkunft, sondern nach der Kraft des unendlichen Lebens.
17 Denn es wird bezeugt: «Du bist ein Priester ewiglich nach der Ordnung Melchisedeks.»
18 Damit wird das vorige Gebot aufgehoben - darum daß es zu schwach und nicht nütze war;
19 denn das Gesetz konnte nichts zur Vollendung bringen -, und eingeführt wird eine bessere Hoffnung, durch welche wir zu Gott nahen.
20 Und das geschah nicht ohne Eid. Jene sind ohne Eid Priester geworden,
21 dieser aber mit dem Eid, durch den, der zu ihm spricht: «Der Herr hat geschworen, und es wird ihn nicht gereuen: Du bist ein Priester in Ewigkeit.»
22 So ist Jesus eines viel besseren Bundes Bürge geworden.
23 Und jener sind viele, die Priester wurden, darum daß sie der Tod nicht bleiben ließ;
24 dieser aber hat darum, daß er ewig bleibt, ein unvergängliches Priestertum.
25 Daher kann er auch auf ewig selig machen, die durch ihn zu Gott kommen; denn er lebt immerdar und bittet für sie.
26 Denn einen solchen Hohenpriester sollten wir haben, der da ist heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sündern abgesondert und höher, als der Himmel ist.
27 Ihm ist nicht täglich not, wie jenen Hohenpriestern, zuerst für die eigenen Sünden Opfer zu tun, danach für des Volkes Sünden; denn das hat er getan ein für allemal, da er sich selbst opferte.
28 Denn das Gesetz macht zu Hohenpriestern Menschen, die da Schwachheit haben; dies Wort des Eides aber, das erst nach dem Gesetz gesagt ward, setzt den Sohn ein, der ewig und vollkommen ist.




Kapitel 8

1 Das ist nun die Hauptsache bei dem, wovon wir reden: Wir haben einen solchen Hohenpriester, der da sitzt zu der Rechten des Thrones der Majestät im Himmel
2 und ist ein Diener am Heiligtum und an der wahren Stiftshütte, welche Gott aufgerichtet hat und kein Mensch.
3 Denn ein jeglicher Hoherpriester wird eingesetzt, zu opfern Gaben und Opfer. Darum muß auch dieser etwas haben, was er opfere.
4 Wenn er nun auf Erden wäre, so wäre er nicht Priester, weil da schon Priester sind, die nach dem Gesetz die Gaben opfern.
5 Sie dienen aber nur dem Abbilde und Schatten des Himmlischen; wie Gottes Stimme zu Mose sprach, als er die Stiftshütte vollenden sollte: «Schaue zu», sprach er, «daß du machest alles nach dem Bilde, das dir auf dem Berge gezeigt ist.»
6 Nun aber hat er ein besseres Amt erlangt, wie er ja auch Mittler eines besseren Bundes ist, der auf besseren Verheißungen steht.
7 Denn wenn der erste Bund untadelig gewesen wäre, würde nicht Raum für einen andern gesucht.
8 Denn Gott tadelt sie und sagt: «Siehe, es kommen die Tage, spricht der Herr, daß ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund machen will;
9 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich gemacht habe mit ihren Vätern an dem Tage, da ich ihre Hand ergriff, sie auszuführen aus Ägyptenland. Denn sie sind nicht geblieben in meinem Bund; darum habe ich ihrer auch nicht wollen achten, spricht der Herr.
10 Denn das ist der Bund, den ich machen will mit dem Hause Israel nach diesen Tagen, spricht der Herr: Ich will geben mein Gesetz in ihren Sinn, und in ihr Herz will ich es schreiben und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.
11 Und wird keiner lehren seinen Nächsten noch jemand seinen Bruder und sagen: Erkenne den Herrn! denn sie werden mich alle kennen von dem Kleinsten an bis zu dem Größten.
12 Denn ich will gnädig sein ihrer Ungerechtigkeit, und ihrer Sünden will ich nicht mehr gedenken.»
13 Indem er sagt: «Einen neuen Bund», macht er den ersten alt. Was aber alt und überlebt ist, das ist nahe bei seinem Ende.




Kapitel 9

1 Es hatte zwar auch der erste Bund seine Satzungen für den Gottesdienst und sein irdisches Heiligtum.
2 Denn es war da aufgerichtet der vordere Teil der Stiftshütte, worin der Leuchter war und der Tisch und die Schaubrote, und er heißt das Heilige.
3 Hinter dem zweiten Vorhang aber war die Hütte, die da heißt das Allerheiligste;
4 die hatte das goldene Räuchergefäß und die Lade des Bundes, allenthalben mit Gold überzogen, in welcher war der goldene Krug mit dem Himmelsbrot und + der Stab Aarons, der gegrünt hatte, und die Tafeln des Bundes;
5 obendrüber aber waren die Cherubim der Herrlichkeit, die überschatteten die Stätte der Versöhnung; von welchen Dingen jetzt nicht im einzelnen zu reden ist.
6 Da nun solches so eingerichtet war, gingen die Priester allezeit in die vordere Hütte und richteten den Gottesdienst aus.
7 In die andere Hütte aber ging nur einmal im Jahr allein der Hohepriester, nicht ohne Blut, das er opferte für sich selbst und des Volkes unwissentliche Sünden.
8 Damit tat der heilige Geist kund, daß noch nicht offenbart sei der Weg zum Heiligen, solange die vordere Hütte stünde.
9 Sie ist ein Gleichnis auf die gegenwärtige Zeit: es werden da Gaben und Opfer geopfert, die doch nicht können im Gewissen vollkommen machen den, der da Gottesdienst tut.
10 Es sind nur Satzungen äußerlicher Heiligkeit über Speise und Trank und mancherlei Waschungen, die auferlegt sind bis auf die Zeit, da die richtige Ordnung kommt.
11 Christus aber ist gekommen, daß er sei ein Hoherpriester der zukünftigen Güter, und ist durch die größere und vollkommenere Hütte eingegangen, die nicht mit Händen gemacht, das heißt: die nicht von dieser Schöpfung ist;
12 er ist auch nicht mit der Böcke oder Kälber Blut, sondern durch sein eigen Blut ein für allemal in das Heilige eingegangen und hat eine ewige Erlösung erworben.
13 Denn wenn der Böcke und der Ochsen Blut und die Asche von der Kuh, gesprengt auf die Unreinen, sie heiligt zu der leiblichen Reinigkeit,
14 wieviel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst als ein Opfer ohne Fehl durch den ewigen Geist Gott dargebracht hat, unser Gewissen reinigen von den toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott!
15 Und darum ist er auch ein Mittler des neuen Bundes, auf daß durch seinen Tod, der geschehen ist zur Erlösung von den Übertretungen unter dem ersten Bund, die, so berufen sind, das verheißene ewige Erbe empfangen.
16 Denn wo ein Testament ist, da muß noch der Tod eintreten des, der das Testament gemacht hat.
17 Denn ein Testament tritt erst in Kraft mit dem Tode; es hat noch nicht Kraft, wenn der noch lebt, der es gemacht hat.
18 Daher ward auch der erste Bund nicht ohne Blut gestiftet.
19 Denn als Mose alle Gebote nach dem Gesetz dem ganzen Volk vorgelegt hatte, nahm er das Blut von Kälbern und Böcken mit Wasser und Scharlachwolle und Ysop und besprengte das Buch und danach alles Volk
20 und sprach: «Das ist das Blut des Bundes, den Gott für euch verordnet hat.»
21 Und die Stiftshütte und alles Gerät des Gottesdienstes besprengte er desgleichen mit Blut.
22 Denn nach dem Gesetz wird fast alles mit Blut gereinigt, und ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung.
23 Es mußten also die Abbilder der himmlischen Dinge so gereinigt werden; aber sie selbst, die himmlischen Dinge, müssen bessere Opfer haben, als jene waren.
24 Denn Christus ist nicht eingegangen in das Heilige, das mit Händen gemacht ist, welches ist ein Gegenbild des wahrhaftigen Heiligtums, sondern in den Himmel selbst, um jetzt zu erscheinen vor dem Angesicht Gottes für uns;
25 auch nicht, damit er sich oftmals opfere, gleichwie der Hohepriester alle Jahre in das Heilige geht mit fremdem Blut;
26 sonst hätte er oft müssen leiden von Anfang der Welt her. Nun aber, am Ende der Zeiten, ist er einmal erschienen, durch sein eigen Opfer die Sünde aufzuheben.
27 Und wie den Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht:
28 so ist Christus einmal geopfert, wegzunehmen vieler Sünden; zum andern Mal wird er nicht um der Sünde willen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil.




Kapitel 10

1 Denn das Gesetz hat nur den Schatten von den zukünftigen Gütern, nicht das Wesen der Güter selbst. Deshalb kann es, die da opfern, nicht für immer vollkommen machen, da man alle Jahre die gleichen Opfer bringen muß.
2 Sonst hätte das Opfern aufgehört, weil die, die den Gottesdienst ausrichten, so sie einmal gereinigt wären, sich kein Gewissen mehr gemacht hätten über ihre Sünden.
3 Vielmehr geschieht dadurch nur eine Erinnerung an die Sünden alle Jahre.
4 Denn es ist unmöglich, durch das Blut von Ochsen und Böcken Sünden wegzunehmen.
5 Darum spricht er bei seinem Kommen in die Welt: «Opfer und Gaben hast du nicht gewollt; einen Leib aber hast du mir bereitet.
6 Brandopfer und Sündopfer gefallen dir nicht.
7 Da sprach ich: Siehe, ich komme – im Buch steht von mir geschrieben -, daß ich tue, Gott, deinen Willen.»
8 Zuerst hatte er gesagt: «Opfer und Gaben, Brandopfer und Sündopfer hast du nicht gewollt, sie gefallen dir auch nicht», welche doch nach dem Gesetz geopfert werden!
9 Dann aber sprach er: «Siehe, ich komme, zu tun, Gott, deinen Willen.» Da hebt er das erste auf, damit er das andre einsetze.
10 In diesem Willen sind wir geheiligt ein für allemal durch das Opfer des Leibes Jesu Christi.
11 Und ein jeglicher Priester ist eingesetzt, daß er alle Tage seinen Dienst tue und oftmals die gleichen Opfer bringe, welche doch nimmermehr können die Sünden wegnehmen.
12 Dieser aber hat ein Opfer für die Sünden geopfert, sitzt nun für immer zur Rechten Gottes
13 und wartet hinfort, bis daß seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt werden.
14 Denn mit einem Opfer hat er für immer vollendet, die geheiligt werden.
15 Es bezeugt uns das aber auch der heilige Geist. Denn nachdem der Herr gesagt hat:
16 «Das ist der Bund, den ich ihnen machen will nach diesen Tagen», spricht er: «Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben, und in ihren Sinn will ich es schreiben,
17 und ihrer Sünden und ihrer Ungerechtigkeit will ich nicht mehr gedenken.»
18 Wo aber Vergebung der Sünden ist, da geschieht für sie kein Opfer mehr.
19 Weil wir denn nun, liebe Brüder, durch das Blut Jesu die Freiheit haben zum Eingang in das Heilige,
20 welchen er uns bereitet hat als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, das ist durch sein Fleisch,
21 und haben einen Hohenpriester über das Haus Gottes:
22 so lasset uns hinzugehen mit wahrhaftigem Herzen in völligem Glauben, besprengt in unsern Herzen und los von dem bösen Gewissen und gewaschen am Leibe mit reinem Wasser.
23 Lasset uns halten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat;
24 und lasset uns aufeinander achthaben, uns anzureizen zur Liebe und guten Werken,
25 und nicht verlassen unsere Versammlung, wie etliche pflegen, sondern einander ermahnen; und das um so mehr, je mehr ihr sehet, daß sich der Tag naht.
26 Denn so wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, haben wir hinfort kein andres Opfer mehr für die Sünden,
27 sondern es bleibt nichts als ein schreckliches Warten auf das Gericht und das gierige Feuer, das die Widersacher verzehren wird.
28 Wenn jemand das Gesetz des Mose bricht, der muß sterben ohne Barmherzigkeit auf zwei oder drei Zeugen hin.
29 Wieviel ärgere Strafe, meinet ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen tritt und das Blut des Bundes unrein achtet, durch welches er doch geheiligt wurde, und den Geist der Gnade schmäht?
30 Denn wir kennen den, der gesagt hat: «Die Rache ist mein, ich will vergelten», und abermals: «Der Herr wird sein Volk richten.»
31 Schrecklich ist's, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.
32 Gedenket aber an die vorigen Tage, in welchen ihr, nachdem ihr erleuchtet waret, erduldet habt einen großen Kampf des Leidens
33 und zum Teil selbst durch Schmach und Trübsal ein Schauspiel wurdet, zum Teil Gemeinschaft hattet mit denen, welchen es so ging.
34 Denn ihr habt mit den Gefangenen gelitten und den Raub eurer Güter mit Freuden erduldet, weil ihr wisset, daß ihr eine bessere und bleibende Habe besitzet.
35 Darum werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.
36 Geduld aber ist euch not, auf daß ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfanget.
37 Denn «noch über eine kleine Weile, so wird kommen, der da kommen soll, und wird's nicht hinziehen.
38 Mein Gerechter aber wird aus Glauben leben. Wer aber weichen wird, an dem wird meine Seele kein Gefallen haben».
39 Wir aber sind nicht von denen, die da weichen und verdammt werden, sondern von denen, die da glauben und die Seele erretten.




Kapitel 11

1 Es ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht des, das man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht.
2 In solchem Glauben haben die Alten Zeugnis empfangen.
3 Durch den Glauben erkennen wir, daß die Welt durch Gottes Wort gemacht ist, so daß alles, was man sieht, aus nichts geworden ist.
4 Durch den Glauben hat Abel Gott ein besseres Opfer gebracht als Kain; deshalb wurde ihm bezeugt, daß er gerecht sei, da Gott selbst für seine Gaben Zeugnis gab; und durch den Glauben redet er noch, wiewohl er gestorben ist.
5 Durch den Glauben ward Henoch weggenommen, daß er den Tod nicht sähe, und ward nicht mehr gefunden, darum daß ihn Gott wegnahm; denn vor seiner Wegnahme hat er das Zeugnis gehabt, daß er Gott gefallen habe.
6 Aber ohne Glauben ist's unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, der muß glauben, daß er sei und denen, die ihn suchen, ein Vergelter sein werde.
7 Durch den Glauben hat Noah Gott geehrt und die Arche zubereitet zur Rettung seines Hauses, da er ein göttliches Wort empfing über das, was man noch nicht sah; und durch seinen Glauben sprach er der Welt ihr Urteil und hat ererbt die Gerechtigkeit, die durch den Glauben kommt.
8 Durch den Glauben ward gehorsam Abraham, als er berufen ward, auszugehen in ein Land, das er erben sollte, und er ging aus und wußte nicht, wo er hinkäme.
9 Durch den Glauben ist er ein Gast gewesen in dem verheißenen Lande wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung;
10 denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.
11 Durch den Glauben empfing auch Sara Kraft, daß sie schwanger ward über die Zeit ihres Alters hinaus; denn sie achtete den treu, der es verheißen hatte.
12 Darum sind auch von dem einen, wiewohl er erstorbenen Leibes war, viele geboren wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Rande des Meeres, der unzählig ist.
13 Diese alle sind gestorben im Glauben und haben das Verheißene nicht erlangt, sondern es nur von ferne gesehen und gegrüßt und haben bekannt, daß sie Gäste und Fremdlinge auf Erden sind.
14 Denn die solches sagen, die geben zu verstehen, daß sie ein Vaterland suchen.
15 Und zwar, wenn sie das gemeint hätten, von welchem sie ausgezogen waren, hätten sie ja Zeit gehabt, wieder umzukehren.
16 Nun aber begehren sie eines besseren Vaterlandes, nämlich eines himmlischen. Darum schämt sich Gott ihrer nicht, ihr Gott zu heißen; denn er hat ihnen eine Stadt zubereitet.
17 Durch den Glauben opferte Abraham den Isaak, als er versucht ward, und gab dahin den einzigen Sohn, obwohl er schon die Verheißungen empfangen hatte
18 und ihm gesagt war: «Was von Isaak stammt, soll dein Geschlecht heißen.»
19 Er dachte, Gott kann auch wohl von den Toten erwecken; daher er ihn auch als Zeichen des Zukünftigen wiederbekam.
20 Durch den Glauben segnete Isaak den Jakob und Esau auf das hin, was erst kommen sollte.
21 Durch den Glauben segnete Jakob, als er starb, beide Söhne Josephs und neigte sich gegen seines Stabes Spitze.
22 Durch den Glauben redete Joseph vom Auszug der Kinder Israel, als er starb, und tat Befehl über seine Gebeine.
23 Durch den Glauben ward Mose, als er geboren war, drei Monate verborgen von seinen Eltern, weil sie sahen, daß er ein schönes Kind war, und fürchteten sich nicht vor des Königs Gebot.
24 Durch den Glauben wollte Mose, als er groß ward, nicht mehr ein Sohn heißen der Tochter des Pharao,
25 sondern wollte viel lieber mit dem Volk Gottes Ungemach leiden, als den vergänglichen Genuß der Sünde haben,
26 und achtete die Schmach Christi für größern Reichtum als die Schätze Ägyptens; denn er sah hin auf die Belohnung.
27 Durch den Glauben verließ er Ägypten und fürchtete nicht des Königs Grimm; denn er hielt sich an den, den er nicht sah, als sähe er ihn.
28 Durch den Glauben hielt er das Passa und das Blutbesprengen, auf daß der Würger ihre Erstgeburten nicht träfe.
29 Durch den Glauben gingen sie durchs Rote Meer wie durch trockenes Land; das versuchten die Ägypter auch und ertranken.
30 Durch den Glauben fielen die Mauern Jerichos, als Israel sieben Tage um sie herumgezogen war.
31 Durch den Glauben ward die Hure Rahab nicht umgebracht mit den Ungehorsamen, als sie die Kundschafter freundlich aufnahm.
32 Und was soll ich mehr sagen? Die Zeit würde mir zu kurz, wenn ich sollte erzählen von Gideon und Barak und Simson und Jephthah und David und Samuel und den Propheten,
33 welche haben durch den Glauben Königreiche bezwungen, Gerechtigkeit gewirkt, Verheißungen erlangt, der Löwen Rachen verstopft,
34 des Feuers Kraft ausgelöscht, sind des Schwertes Schärfe entronnen, sind kräftig geworden aus der Schwachheit, sind stark geworden im Streit, haben der Fremden Heere zum Weichen gebracht.
35 Frauen haben ihre Toten durch Auferstehung wiederbekommen. Andere aber sind gemartert worden und haben die Freilassung nicht angenommen, auf daß sie die Auferstehung, die besser ist, erlangten.
36 Etliche haben Spott und Geißeln erlitten, dazu Ketten und Gefängnis;
37 sie wurden gesteinigt, gefoltert, zersägt, durchs Schwert getötet; sie sind umhergezogen in Schafpelzen und Ziegenfellen, mit Mangel, mit Trübsal, mit Ungemach.
38 Deren die Welt nicht wert war, die sind im Elend umhergeirrt in den Wüsten, auf den Bergen und in den Klüften und Löchern der Erde.
39 Diese alle haben durch den Glauben das Zeugnis Gottes empfangen und doch nicht erlangt, was verheißen war,
40 weil Gott etwas Besseres für uns zuvor ersehen hat, damit sie nicht ohne uns vollendet würden.




Kapitel 12

1 Darum auch wir, weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasset uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasset uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns verordnet ist,
2 und aufsehen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, welcher, da er wohl hätte können Freude haben, erduldete das Kreuz und achtete der Schande nicht und hat sich gesetzt zur Rechten des Thrones Gottes.
3 Gedenket an den, der ein solches Widersprechen von den Sündern wider sich erduldet hat, auf daß ihr nicht matt werdet und nicht in eurem Mut ablasset.
4 Ihr habt noch nicht bis aufs Blut widerstanden im Kampf wider die Sünde
5 und habt bereits vergessen des Trostes, der zu euch redet als zu seinen Kindern: «Mein Sohn, achte nicht gering die Züchtigung des Herrn und verzage nicht, wenn du von ihm gestraft wirst.
6 Denn welchen der Herr lieb hat, den züchtigt er, und er straft einen jeglichen Sohn, den er aufnimmt.»
7 Gott erzieht euch, wenn ihr dulden müßt! Als seinen Kindern begegnet euch Gott; denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt?
8 Seid ihr aber ohne Züchtigung, welche sie alle erfahren haben, so seid ihr Ausgestoßene und nicht Kinder.
9 Und so wir unsre leiblichen Väter haben zu Züchtigern gehabt und sie gescheut, sollten wir dann nicht viel mehr untertan sein dem Vater der Geister, auf daß wir leben?
10 Denn jene haben uns gezüchtigt wenige Tage, wie es ihnen gut dünkte, dieser aber zu unserm Besten, auf daß wir an seiner Heiligkeit Teil erlangen.
11 Alle Züchtigung aber, wenn sie da ist, dünkt uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; aber danach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübt sind.
12 Darum richtet wieder auf die lässigen Hände und die müden Knie
13 und tut gewisse Tritte mit euren Füßen, daß nicht jemand strauchle wie ein Lahmer, sondern vielmehr gesund werde.
14 Jaget dem Frieden nach gegen jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird,
15 und sehet darauf, daß nicht jemand Gottes Gnade versäume; daß nicht etwa eine bittere Wurzel aufwachse und Unfrieden anrichte und die Gemeinde dadurch befleckt werde;
16 daß nicht jemand sei ein Abtrünniger oder Gottloser wie Esau, der um der einen Speise willen seine Erstgeburt verkaufte.
17 Ihr wisset ja, daß er hernach, da er den Segen ererben wollte, verworfen ward; denn er fand keinen Raum zur Buße, wiewohl er sie mit Tränen suchte.
18 Denn ihr seid nicht gekommen zu dem Berge, den man anrühren konnte und der mit Feuer brannte, noch zu dem Dunkel und Finsternis und Ungewitter,
19 noch zu dem Hall der Posaune und zum Schall der Worte, bei dem die Hörer baten, daß ihnen kein Wort mehr gesagt würde;
20 denn sie vermochten's nicht zu ertragen, was da gesagt ward: «Und wenn auch nur ein Tier den Berg anrührt, soll es gesteinigt werden.»
21 Und so schrecklich war die Erscheinung, daß Mose sprach: «Ich bin erschrocken und zittere.»
22 Sondern ihr seid gekommen zu dem Berge Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und den vielen tausend Engeln
23 und zu der Versammlung und Gemeinde der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten
24 und zu dem Mittler des neuen Bundes, Jesus, und zu dem Blut der Besprengung, das da besser redet als Abels Blut.
25 Sehet zu, daß ihr den nicht abweiset, der da redet. Denn wenn jene nicht entronnen sind, die Gott abwiesen, als er auf Erden redete, wieviel weniger wir, wenn wir den abweisen, der vom Himmel redet.
26 Seine Stimme hat zu jener Zeit nur die Erde bewegt, nun aber verheißt er und spricht : «Noch einmal will ich bewegen nicht allein die Erde, sondern auch den Himmel.»
27 Solches «Noch einmal» zeigt an, daß das Bewegliche soll verwandelt werden, weil es geschaffen ist, damit allein das Unbewegliche bleibe.
28 Darum, weil wir empfangen ein unbeweglich Reich, lasset uns dankbar sein und also Gott dienen, ihm zu gefallen, in Zucht und Furcht;
29 denn unser Gott ist ein verzehrend Feuer.




Kapitel 13

1 Bleibet fest in der brüderlichen Liebe.
2 Gastfrei zu sein, vergesset nicht; denn dadurch haben etliche ohne ihr Wissen Engel beherbergt.
3 Gedenket der Gebundenen als die Mitgebundenen und derer, die Trübsal leiden, als solche, die auch noch im Leibe leben.
4 Die Ehe soll in Ehren gehalten werden bei allen und das Ehebett unbefleckt; denn die Unzüchtigen und die Ehebrecher wird Gott richten.
5 Der Wandel sei ohne Geldgier; lasset euch genügen an dem, was da ist. Denn der Herr hat gesagt: «Ich will dich nicht verlassen noch versäumen.»
6 So dürfen auch wir getrost sagen: «Der Herr ist mein Helfer, ich will mich nicht fürchten; was sollte mir ein Mensch tun?»
7 Gedenket an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; ihr Ende schauet an und folget ihrem Glauben nach.
8 Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.
9 Lasset euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, daß das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade, nicht durch Speisegebote, davon keinen Nutzen haben, die damit umgehen.
10 Wir haben einen Altar, davon kein Recht haben zu essen, die der Stiftshütte dienen.
11 Denn die Leichname der Tiere, deren Blut getragen wird durch den Hohenpriester in das Heilige für die Sünde, werden außerhalb des Lagers verbrannt.
12 Darum hat auch Jesus, damit er heiligte das Volk durch sein eigen Blut, gelitten draußen vor dem Tor.
13 So lasset uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen.
14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
15 So lasset uns nun durch ihn Gott allezeit das Lobopfer bringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen.
16 Wohlzutun und mitzuteilen vergesset nicht; denn solche Opfer gefallen Gott wohl.
17 Gehorchet euren Lehrern und folget ihnen; denn sie wachen über eure Seelen, als die da Rechenschaft dafür geben sollen; damit sie das mit Freuden tun und nicht mit Seufzen, denn das ist euch nicht gut.
18 Betet für uns. Unser Trost ist der, daß wir ein gutes Gewissen haben und uns befleißigen, guten Wandel zu führen in allen Stücken.
19 Ich ermahne aber desto mehr, solches zu tun, auf daß ich um so schneller euch wiedergegeben werde.
20 Der Gott aber des Friedens, der von den Toten ausgeführt hat den großen Hirten der Schafe durch das Blut des ewigen Bundes, unsern Herrn Jesus,
21 der mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen, und schaffe in uns, was vor ihm gefällig ist, durch Jesus Christus; welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
22 Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, haltet das Wort der Ermahnung mir zugut; denn ich habe euch nur kurz geschrieben.
23 Wisset, daß unser Bruder Timotheus wieder frei ist; mit ihm, wenn er bald kommt, will ich euch sehen.
24 Grüßet alle eure Lehrer und alle Heiligen. Es grüßen euch die Brüder aus Italien.
25 Die Gnade sei mit euch allen!